"Schule nicht so sicherer Ort"

Wann ist Schluss mit "Distance Learning"? Wann gibt es wieder Präsenzunterricht an allen hiesigen Schulen? Das steht nach wie vor nicht fest. Am Wochenende soll in Videokonferenzen des Bildungsministeriums mit der Lehrergewerkschaft das Procedere geklärt werden. ÖVP-Ressortchef Heinz Faßmann möchte, dass Schüler und Lehrer ab 18. Jänner erneut in den Klassenzimmern sind. Wobei er anmerkt, dass das von den Corona-Infektionszahlen abhänge.

Wie sieht der oberste Lehrervertreter, Paul Kimberger, die Sache? Mittlerweile gibt es neue Erkenntnisse, was die Ansteckung von Kindern mit dem Virus anlangt. Die zweite "Monitoring-Studie" an den österreichischen Schulen mittels Gurgeltest hat 1,5 Prozent positive Ergebnisse erbracht. Damit war zum Testzeitpunkt Mitte November die "Prävalenz" unter Schülern und Lehrern um mehr als das dreifache höher als im Oktober, bei der ersten Runde. Der Wert habe eine "ähnliche Größenordnung" wie jener der Gesamtbevölkerung, konstatieren die Autoren der Untersuchung.

"Zusätzliche Dramatik bekommt das durch die mutierte Virusvariante." Paul Kimberger (Lehrergewerkschafter)

Das zeigt für Kimberger: "Die Schule ist nicht ein so sicherer Ort, wie Faßmann immer wieder behauptet hat. Zusätzliche Dramatik bekommt das durch die mutierte Virusvariante",befindet der Gewerkschaftschef im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. "Wichtige Grundlage",wie es an den Schulen weitergeht, seien für ihn: "Sind die Infektionszahlen noch immer weiterhin auf so hohem Niveau? Gibt es ausreichende Testkapazitäten für Lehrer und Schüler ab sechs Jahren? Kann das Ansteckungsrisiko in den Klassen und Gruppen auch durch schulautonome Maßnahmen wie Schichtbetrieb reduziert werden? Wie ansteckend ist die britische Virus-Variante, die sich in England überproportional bei Kindern und Jugendlichen ausgebreitet hat? Und gibt es in Schulen endlich effektivere Sicherheitsmaßnahmen und besseren Infektionsschutz für Lehrer und Schüler?"

Die Gesellschaft für Kinderund Jugendheilkunde plädiert weiterhin für Prävention statt für "Schultüren zu".Die Theorie, wonach Kinder und Jugendliche von der britischen Virusvariante vermehrt betroffen seien, sei noch nicht belegt, sagt Volker Strenger von der Grazer Uni-Klinik für Kinder und Jugendheilkunde. "Weitere Analysen sind notwendig, bevor eine seriöse Aussage über die Bedeutung dieser Virus-Variante für bestimmte Altersgruppen getroffen werden kann."

In der türkis-grünen Regierung wird ob des Resultats der Gurgelstudie erwogen, bei den Schulen regional zu agieren. Diese nur in jenen Bundesländern abseits von Betreuung alsbald wieder zu öffnen, in denen die Infektionszahlen vergleichsweise niedrig sind. Skeptiker merken an, dass das "zu grob" gedacht sei. Das seien "Variante ohne Substanz".Warum sollten in großen Bundesländern alle Schulen geschlossen bleiben, wenn die Infektionszahlen nur in einigen Bezirken von vielen hoch sind?

Faktum ist: Das im Sommer beworbene "Ampelsystem" für Bundesländer und Bezirke hat nicht funktioniert. Egal welche Farbe die Ampel hatte-die Handhabe war überall die gleiche.