Karin Leitner - "Die Zeit ist nicht genutzt worden"

"Unter den Corona-Bedingungen ist ein guter Start hingelegt worden. Zu verdanken ist das den Direktoren und Lehrern-wegen ihrer Flexibilität und den vielfältigen Managementfähigkeiten." Das Polit-Management bewertet Kimberger im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung negativ:

"Die rechtlichen Grundlagen, Erlässe und Verordnungen sind extrem spät gekommen. Das war nicht hilfreich. Die Covid-Verordnung kam erst am Freitag, den 4. September. Am Montag darauf hat im Osten die Schule begonnen." Das "Sündenregister" ist aus Sicht des Standesvertreters lang: "Vieles war ungeklärt-der Umgang mit Verdachtsfällen, die Teststrategie. Die war bei den Gesundheitsbehörden auf Bezirksebene uneinheitlich. Und hat oft zu unerklärlichen Skurrilitäten geführt."

Er nennt ein Beispiel: "Es gab Fälle von Lehrern, die an derselben Schule unterrichten, aber nicht im selben Bezirk wohnen. Die einen wurden getestet, die aus dem anderen Bezirk nicht." Kimberger moniert auch "stundenlange Wartezeiten bei der Hotline 1450, tagelanges Warten auf den Test, dann wieder tagelanges Warten auf das Ergebnis".Die Gesundheitsbehörden hätten "aus den Erfahrungen des Frühjahrs nicht die richtigen Konsequenzen gezogen.

Die Gurgeltests sind am 17. August präsentiert worden. Jetzt erst sollen sie, ausgerollt' werden. Dazu kommt das Ampelchaos. Vor allem in höheren Schulen führte das zu schweren Irritationen. Zuerst hat es geheißen, dass bei Orange auf Home-Schooling umgestellt wird. Dann hat Bildungsminister Heinz Faßmann festgelegt, dass alles schulisch auf Gelb bleibt." Und neben den bisherigen "großen Bürokratiemonstern" sei ob der Gurgelei "ein weiteres auf die Schulen hereingebrochen.

Dieser administrative Aufwand ist nicht schaffbar mit unseren Ressourcen. Wir haben an Pflichtschulen nicht das Personal dafür. Die Direktoren und Lehrer haben mit anderem mehr als genug zu tun." Zum Verweis darauf, dass die Regierung 1000 Langzeitarbeitslose und Wiedereinsteiger als Helfer in Pflichtschulen versprochen hat, sagt Kimberger: "Genügend administratives Personal müsste seit Jahren da sein. Wir haben das immer wieder gefordert. Die Versäumnisse machen sich nun, in Zeiten der Krise, besonders schmerzhaft bemerkbar. Die Schulleiter sind am bzw. über dem Limit.

Endlich her mit dem Personal! Die schwierigste Zeit beginnt erst. Kinder sitzen schnupfend oder hustend in der Klasse. Wie sollen Lehrer beurteilen, ob das Covid-19 oder, nur' ein grippaler Infekt ist?"Auch anderweitig ortet Kimberger "Versäumnisse": "Dass man sich im Frühjahr auf einen Lockdown, der quasi über Nacht verordnet worden ist, schwer vorbereiten konnte, ist nachvollziehbar. Man hätte aber annehmen müssen, dass aus den Erfahrungen des Corona-Frühjahres gelernt worden ist. Ich habe wenig Verständnis dafür, dass sich die politisch Verantwortlichen trotz mehrmaliger Aufforderung nicht penibelst auf das vorbereitet haben, was für die Schulen für den Herbst vorhersehbar gewesen ist. Da ist zu lange zu wenig passiert."

Auch dass Faßmann nun sagt, dass "einheitliche Verfahrensregeln" vonnöten seien, er zu dem Behufe mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober reden, das Ergebnis den Gesundheitsbehörden übermitteln und in maximal drei Wochen das Vereinbarte realisieren werde, missfällt Kimberger: "Ich habe eigentlich kein Verständnis dafür, dass man erst jetzt draufkommt, dass eine einheitliche und rasche Vorgangsweise notwendig ist, um für alle einigermaßen pädagogische Normalität garantieren zu können.

Viele Fachleute-Virologen und Pädagogen-haben schon im Frühjahr ziemlich genau vorhergesagt, was uns erwarten wird. Die Zeit seither ist jedenfalls nicht so genutzt worden, wie sie genutzt hätte werden sollen." In Sachen Infrastruktur ebenfalls nicht: "Dass das Distance-Learning während des Lockdowns funktioniert hat, ist auf die Eigeninitiativen von Lehrern und Eltern zurückzuführen. Seit zwei Jahrzehnten hören wir, dass die Digitalisierung an Schulen beginnt. Dieser Schritt wurde nie gemacht. Noch immer stellt der Dienstgeber zu wenig Ausstattung und einheitliche pädagogische Konzepte für Home-Schooling zur Verfügung."