aps-Magazin 3/2019

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Die Reaktion eines Bildungsdirektors auf Vorfälle an einer höheren Schule, Gewalt mit einer dreimonatigen Probezeit für alle Lehrer/-innen zu begegnen, halte ich für eine sehr seltsame Idee.

Drastischer formuliert hat es einer der vielen Kolleginnen und Kollegen, die mir nach der Veröffentlichung dieser Idee teils empörte Mails gesendet haben: „Diese präsentierte Lösung ist Konfliktmanagement, wie es NICHT sein soll. Viel zu spät, viel zu unehrlich, viel zu wenig selbstreflektierend, viel zu ablenkend vom eigenen Versagen!“

Ich will nicht näher auf die Aussagen eingehen, es gibt jedoch Personen, die der Idee durchaus etwas abgewinnen können, wie man der Presseaussendung des Bildungssprechers einer Partei entnehmen konnte: „Erfreut reagiert der Bildungssprecher … auf die Ankündigung des Bildungsdirektors, das Lehrerdienstrecht nach den Vorfällen in der HTL Ottakring endlich ändern zu wollen. ‚Eine dreimonatige Probezeit für neue Lehrerinnen und Lehrer ist längst überfällig‘, denn wenn jemand einfach nicht für den Lehrerberuf geeignet ist, ist es im Interesse aller, wenn das frühestmöglich erkannt und entsprechend rasch gehandelt wird.“

Die neue Lehrer/-innen-Ausbildung dauert mindestens acht Semester (wenn jemand als Bachelor zu arbeiten beginnt), kann aber durchaus auch elf Semester bis zum Masterabschluss dauern. Wenn der Bildungssprecher meint, dass frühestmöglich nach einem fünfeinhalbjährigen Studium eine dreimonatige Probezeit ist, dann stimmt etwas in der Lehrer/-innen-Ausbildung ganz und gar nicht.

Frühestmöglich würde für mich bedeuten, dass am Beginn eines Studiums erkannt werden kann, ob jemand für diesen Beruf geeignet ist oder nicht. Ich halte es für einen menschlichen und volkswirtschaftlichen Wahnsinn, jemanden fünfeinhalb Jahre studieren zu lassen, um ihm dann nach einer dreimonatigen Probezeit mitzuteilen, dass er/sie für diesen Beruf ungeeignet ist.

Ich wünsche Ihnen allen einen erholsamen Sommer!

Martin Höflehner